Förderverein traf Schloemer & Co.

Was für ein Einstand für Joachim Schloemer! Der designierte künstlerische Leiter des Festspielhauses St. Pölten (ab Herbst 2009) reüssierte am 3. und 4. Oktober mit der aufsehenerregenden Inszenierung von Mozarts „Entführung aus dem Serail" (zur Fotogalerie).
Oper am Puls der Zeit, Oper mit kognitivem, philosophischem Tiefgang, die der Frage nach der Isolation von Entführungsopfern – herausgerissen aus Vergangenheit wie Zukunft gleichermaßen - ebenso nachspürte wie den ewigen Themen von Liebe, Treue, Eifersucht, und darüber hinaus natürlich als Schlüsselthemen der Oper auch Toleranz und Güte, die aber allesamt nicht so eindeutig zu fassen sind, wie sie nach außen wirken mögen.

Genial in diesem Zusammenhang Schloemers Kunstkniff, den Sängern jeweils ein tänzerisches Alter Ego zur Seite zu stellen, welche den Bruch zwischen Außen und Innenwelt, zwischen Realem und Ideal, zwischen Sein und Schein, Hoffnung und Verzweiflung, Sinn und Sinnlichkeit augenscheinlich machten. Genuin musikalisch umgesetzt vom Freiburger Barockorchester unter der Leitung von Attilio Cremonesi, der auch das starke, dynamische Sängerensemble zu einer einfühlsamen wie intensiven Interpretation der Mozartoper antrieb und somit gewährleistete, Mozarts Musik in ihrer gesamten Strahlkraft und ihrem unglaublichen Tiefgang zu vermitteln, die Menschen damit am Herzen zu berühren.

Kurzum, Oper, die keinen kalt ließ, und so konnte nach der Aufführung vortrefflich diskutiert werden, prallten die Meinungen aufeinander, wie man es in St. Pölten schon lange nicht mehr erlebt hatte. Kunst im idealtypischen Sinne, die nicht nur zum passiven Berieseln, sondern zur aktiven, divergenten Auseinandersetzung animierte. Österreich, St. Pölten darf auf Joachim Schloemers weitere Arbeit im Festspielhaus gespannt sein, die nicht nur auf kontemplativen Genuss, sondern auch auf fruchtbringende Kontroverse, Auseinandersetzung setzt!

Im Anschluss lud der Förderverein Kulturbezirk zum exklusiven Empfang mit dem Orchester, dem Sänger- und Tänzerensemble. Symbolisch, wie der künstlerische Leiter des Festspielhauses Michael Birkmeyer, welcher die mutige Produktion nach St. Pölten geholt hatte, mit seinem Nachfolger Joachim Schloemer Seite an Seite über den gelungenen Abend resümierte. Ein großer Abend für das Festspielhaus, wie auch der Obmann des Fördervereins Kulturbezirk, Herbert Binder, überzeugt war. Bei anregenden Diskussionen, einem türkischen Buffet sowie im Anschluss dem etwas anderem „Barock-Musik-Clubbing" unter dem Motto „1000 und 1 Lange Nacht der Alten Musik", das live auf Ö1 übertragen wurde, klang der Abend aus.

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